Die Hauptstadt Roseau

Diese Stadt hält kein Besucher für die Hauptstadt, denn nirgendwo erhebt sich ein Hochhaus, geschweige denn ein Wolkenkratzer in den Himmel. Kaum ein Haus hat überhaupt mehr als drei Stockwerke, vielfach sind die Straßen gesäumt von einfachen, bunt bemalten Holzhütten.

Angelegt wurde diese beschauliche Stadt von den Franzosen. Das Flussdelta des Roseau Rivers wurde in nur einem Lauf zusammengefasst, ein Hafen angelegt und der Handel hätte beginnen können, wenn da nicht die ständigen Auseinandersetzungen mit den Engländern gewesen wären. 1760 wurde Roseau als Hauptstadt Portsmouth vorgezogen, weil im Norden der Insel gerade die Malaria wütete und Roseau versprach aufgrund seiner Lage in einer großen Ebene bessere Expansionsmöglichkeiten.

Während dieser Zeit hatte Roseau mehrfach Überschwemmungen des von Menschenhand angelegten Flusslaufs zu überstehen. Zahlreiche schwere Hurrikans und mehrere Feuersbrünste, die von den heftigen Kämpfen der Franzosen und Engländer ausgelöst wurden, trugen zu den Verwüstungen bei. Viele Menschen fanden den Tod. Roseau musste mehrere Male vollständig neu aufgebaut werden. Die nachfolgende Zeit brachte keine Ruhe. Der letzte Hurrikan, der Roseau heimsuchte, war David. Er machte im Jahre 1979 einen Großteil der Bevölkerung obdachlos, 100 Menschen starben.

Dominica war nie eine wohlhabende Kolonie gewesen. Doch die wenigen Gebäude der Kolonialzeit haben die vielen (Natur-) Katastrophen nicht überstanden. Das ehemalige Stadtzentrum um den Old Market herum lässt sich allenfalls noch mit viel Phantasie erahnen.

Heute spielt sich das Wirtschafts- und Handelsleben der Insel fast ausschließlich in Roseau ab. Alles von Bedeutung ist hier konzentriert, nicht nur sämtliche Regierungsstellen.

Das Gouvernment Headquarter mit dem Büro des Ministerpräsidenten und aller Minister befindet sich in der Nähe des Windsor Parks an der Einmündung der Kennedy Avenue in die Bath Road; das Police Headquarters liegt unweit entfernt an der Bath Road, Ecke King George V Street, und das Büro der Einwanderungsbehörde ist ebenfalls hier untergebracht.

Stadtplan Roseaus

Das Tourist Office ist ins Market House aus dem Jahre 1810 eingezogen, gegenüber dem neuen Anlegesteg für Kreuzfahrtschiffe. Direkt hinter dem Haus befindet sich der liebevoll restaurierte Marktplatz (Old Market), auf dem heute Souvenirs verkauft werden. Im Tourismusbüro erhält man zahlreiches Informationsmaterial und die Mitarbeiter helfen gerne bei der Reservierung eines Autos oder bei der Vermittlung eines Führers. Vor dem Gebäude selbst findet man allerdings nahezu immer ein ganzes Dutzend Führer, die nicht müde werden, jeden Touristen auf ihre besonderen Fähigkeiten hinzuweisen.

Der New Market liegt nun ganz am Ende derselben Straße, der Bay Street, Richtung Canefield Airport.

Vorbei kommt man dabei am New Roseau Jetty, dem Anlegesteg für die Fährverbindungen nach Guadeloupe und Martinique, und dem neuen Postgebäude. Für Briefmarkensammler gibt es im zweiten Obergeschoss ein spezielles Büro, das alle Sammlerwünsche erfüllt.

Der Markt in dem nun fast 25 Jahre alten Gebäude beginnt täglich, außer sonntags, in den frühen Morgenstunden und erreicht samstags seinen Höhepunkt, wenn aus allen Inselregionen Menschen herbeiströmen, um Berge von frischen Früchten, Gemüse, Fischen, Fleisch, Gewürzen und selbstgemachtem Sirup und Marmelade feilzubieten. Andere Händler verköstigen die Besucher mit Bakes, Pies, Rotis, frittiertem Fisch und frischgepressten Fruchtsäften.

In entgegengesetzter Richtung geht die Küstenstraße vorbei an der Anglikanischen Kirche. Im Jahr 1979 nach den Verwüstungen des Hurrikans David musste sie vollständig wiederaufgebaut werden.

Direkt gegenüber liegt das Fort Young Hotel, dessen Schicksal ähnlich aussieht. Erbaut 1770 als unfreiwilliges Gemeinschaftsprojekt der Engländer und Franzosen, wurde es nach 1850 nur noch als Polizeistation genutzt und erst seit 1964 als Hotel. Der Hurrikan David ließ kaum einen Stein auf dem anderen, so dass ein Wiederaufbau unumgänglich war.

Die öffentliche Bücherei grenzt unmittelbar an das Fort Young Hotel an. Im großzügigen Garten gegenüber liegt das State Haus, einst Sitz des Gouverneurs. Heute dient es nur noch als repräsentatives Gebäude bei Staatsbesuchen und für Regierungssitzungen. Etwas weiter, auf derselben Straßenseite, liegt das neue Parlamentsgebäude, The House of Assembly, aus dem Jahre 1811, dessen Fenster nahezu immer geschlossen sind, außer wenn nicht einmal eine Parlamentsdebatte ansteht.

Rundfunk in der Hauptstadt

Ted Daley live on airAuf der anderen Straßenseite, in einem flachen, langgestreckten Betonkasten, sind die Studios des DBS - Dominica Broadcasting Service. Dort geht es mit 10.000 Watt auf Sendung. Raggae für die ganze Karibik.

Insider behaupten, dass die Abkürzung DBS für Dominica's Best Sound steht, wie mir schon am Empfang versichert wurde. DBS ist erst seit 1976 auf Sendung, vor der Unabhängigkeit von Großbritannien versorgten WESS und Radio Dominica die Insel mit Informationen und Musik.

DBS gilt heute noch als Staatsender, der Premierminister ist gleichzeitig Informationsminister und ernennt bei der Radiostation den General Manager. DBS erhält von der Regierung oder dem Parlament keine direkten Zuwendungen, auch wenn das Parlamentsgebäude direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt.

Aufgrund der schwierigen Oberflächenstruktur des Inselstaates sendet DBS auf fünf FM-Frequenzen rund um die Uhr und schafft die komplette Versorgung ihrer geschätzten 50.000 Hörer nur mit einem 10 kW starken AM-Transmitter von Harris International (USA), der in den Bergen von Hillsborough bei St. Joseph liegt.

Von der starken Sendeanlage profitieren vor allem die auf den umliegenden Inseln und im Ausland, arbeitenden Dominicaner sowie Empfangsspezialisten in Europa.

Bei DBS arbeiten insgesamt 43 Personen, eine Gärtnerin inbegriffen. Drei Studios stehen zur Verfügung, wobei das technische Equipment noch überwiegend aus der Gründungszeit stammt. Für die Nachrichten wird auf die Caribbean News Agency, reuthers und die BBC zurückgegriffen. Ein 15minütiger Nachrichtenblock der BBC für die Karibik wird ohnedies vollständig übernommen.

Die Einschaltquote steigen richtig an bei der Ted-Daley-Show „Drive Time“ zwischen 15.30 und 18.00 Uhr. Ted Daley ist nämlich nicht irgendwer, sondern der Star-D. J. von DBS.

Ted Daley über sich selbst: „I put a lot of attention on the Caribbean and try to foster love thru the music.“

Vom Äther zurück in Richtung Stadtmitte gelangt man an der Virgin Lane zu den beiden größten Kirchen. An der Ecke zur Cross Street steht die Methodist Church, direkt daneben, etwas zurückgesetzt, die Roman Catholic Cathedral. Ihre Erbauer benötigten mehr als ein Jahrhundert bis zur endgültigen Fertigstellung. Viele Materialien kommen von weit her. So mussten Strafgefangene der Teufelsinseln in Französisch Guyana die Kanzel herstellen.

Weiter mit der Besichtigungstour

Zu einem Ausflug lädt nun noch der Botanische Garten im Westen Roseaus ein, unweit des Police Headquarters.

Im vorigen Jahrhundert beherbergte der Park eine Unmenge tropischer Pflanzen aus aller Welt und zählte damit zu den reichhaltigsten und besten der Karibikwelt.

Hurrikan David schlug auch hier zu und ließ nicht allzu viel vom ursprünglichen Park stehen. Daran erinnert ein Brotfruchtbaum, der zwar „überlebte“, aber gleich einen ganzen Bus unter sich begrub.

Im Botanischen Garten finden heute auf den großzügigen Rasenflächen Kricket-Spiele statt und es werden Staatsparaden abgehalten.

Der Garten beherbergt die Forestry Division, die für Interessenten gegen ein geringes Entgelt zahlreiche Wanderkarten, Poster und Broschüren über die einheimische Flora und Fauna bereithält.

Beim Sisserou-Express befindet sich zwei Vogelvolieren, in denen die Forestry Division jeweils zwei Exemplare der stark bedrohten Papageien, des Sisserou und des Jacko, für die Nachwelt zu erhalten hofft.

Nahe des Elmshall Gates im Norden des Botanischen Gartens führt ein Fußweg rechts ab, den Berg hinauf. Oben wartet nicht nur ein Kruzifix aus den 20er Jahren auf den Besucher, hier von Morne Bruce aus hat man einen wunderbaren Überblick über die ganze Hauptstadt und die vorgelagerte Bucht. Aus demselben Grund diente Morne Bruce früher einmal den Truppen der Besatzer als idealer Verteidigungsposten.

Übernachten

Übernachtungen sind in Roseau unproblematisch; es existieren zahlreiche Guest Houses, u. a. Symes-Zee Villa in der 34, King George V Street. Der Besitzer hat auch noch eine toll gelegene Villa in den Bergen mit 15 Zimmern. Donnerstags ist Jazz bei ihm in Roseau angesagt. Weitere Unterkunftsmöglichkeiten sind Vena's Guest House in der 48, Cork Street. Häuser direkt am Meer gelegen sind teurer, z. B. Yacht Inn mit gut 40,00 US$. Hotels beginnen etwa bei 65,00 US$, bieten aber auch wesentlich mehr Komfort.

Bars & Restaurants

  • Corner house, 6, King George V Street

    Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8.00 bis 22.00 Uhr und Samstag von 08.00 bis 16.00 Uhr.

    Das Cornerhouse bezeichnet sich selbst als das Internet Cafe Dominicas. Neben Internet gibt es aber noch eine kleine, sehr empfehlenswerte Speisekarte und die Möglichkeit, in Zeitungen und Zeitschriften zu blättern. Die Preise bewegen sich zwischen 3,00 EC$ und 25,00 EC$. Ein großes Mittagsgericht kann bis 25,00 EC$ kosten; die sehr reichhaltigen Salate liegen um die 15,00 EC$.

  • The Evergreen Hotel, Castle Comfort

    Auf einer Terrasse mit Meeresblick kann man hier für 50,00 EC$ sehr umfangreich und gut speisen. Auf der Speisekarte stehen regelmäßig drei Gänge Menüs und Fisch, Garnelen, Huhn sowie Lamm zur Auswahl.

  • Fort Young Hotel, Victoria Street

    Inmitten des alten Gemäuers lässt sich herrschaftlich speisen. Die 20,00 EC$ für ein Frühstück und die 40,00 EC$ für eine warme Mahlzeit können anderswo wirklich besser investiert werden.

  • Guiyave Restaurant & Patisserie, 15, Cork Street

    Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 8.00 bis 16.00 Uhr, Sonntag geschlossen.

    Im zweiten Obergeschoss des Gebäudes wird bis 11.00 Uhr Frühstück serviert. Warme Mahlzeiten gibt es in größerer Auswahl, samstags immer lokale Spezialitäten.

    Im Untergeschoss ist ein Schnellimbiss mit einer sehr guten Auswahl an Kuchen, Torten, Quiches und Sandwichs. Die Preise sind hier deutlich unter dem Niveau des Obergeschosses, die Qualität (natürlich) nicht.

  • La Robe Creole, 3, Victoria Street

    Öffnungszeiten: Täglich außer sonntags von 12.00 bis 15.00 Uhr und 18.30 bis 21.30 Uhr.

    Das nobelste Restaurant der ganzen Insel. Hier gibt es alle Spezialitäten der dominicanischen Küche, nicht nur Menüs à la carte, sogar kleine Snacks. Serviert wird in der lokalen Tracht und dennoch ist die Atmosphäre sehr kühl, dafür ist nicht nur die Klimaanlage verantwortlich. Falsch liegt man hier allerdings nicht.

  • Mousehole, 3, Victoria Street

    Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 8.00 bis 16.30 Uhr, Sonntag geschlossen.

    Das Mousehole ist direkt unter dem La Robe Creole im selben Gebäude. Die Preise sind gänzlich andere, die Qualität der Snacks identisch. Mini-Pizza, Rotis, Cheeseburger, Bananabread, Kokos- und Bananenkuchen zwischen 1,00 EC$ und 8,00 EC$. Sehr gut selbst für verwöhnte Gaumen.

  • Port of Call, 3, Kennedy Avenue

    Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 9.00 bis 22.00 Uhr, Freitag und Samstag von 9.00 bis 23.00 Uhr, Sonntag geschlossen.

    Eine große Auswahl für den kleinen und großen Hunger mit Preisen von 13,00 EC$ bis 25,00 EC$.

  • The Orchard Restaurant, Ecke King George V/Great George Streets

    Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 8.00 bis 22.00 Uhr und Samstag von 8.00 bis 16.00 Uhr, Sonntag geschlossen.

    Spezialitäten sind hier kreolische Gerichte und Fisch mit Preisen von durchschnittlich 30,00 EC$. Preiswerter sind Roti und Black Pudding. Die Speisekarte umfasst zudem Snacks wie Hamburger, Sandwichs, Quiches und vegetarische Gerichte.

  • Reiga te Ha ll Hotel, Reigate

    Das Hotel liegt etwa zwei Kilometer außerhalb der Hauptstadt, oberhalb von Morne Bruce. Die durchschnittlichen Preise für eine warme Mahlzeit liegen bei etwa 50,00 EC$. Der Besuch lohnt sich weniger wegen des Essens selbst als vielmehr wegen der wunderbaren Aussicht.

Fotozubehör und -entwicklung

Analoges Fotozubehör ist sehr teuer, ebenso die Entwicklung vor Ort (36er Negativfilm inklusive Bilder im Format 10 x 15 cm: rund 30,00 EUR) und entspricht nicht immer ganz dem Stand der Technik, selbst wenn Filme mit den gängigen Prozessen C-41 und E-6 prinzipiell entwickelt werden können. Bei der Ausreise mit dem Flugzeug wird das Gepäck ehedem nicht durchleuchtet, so dass man auf eine Entwicklung verzichten sollte, wenn es die eigene Neugierde zulässt.

  • Depex Colour Lab, 46, Cork Street
  • Photoworld, 26, King George V Street

Musik und Bücher

  • Cee Bee's, 20, Cork Street
  • Christian Literature Crusade, 36 A, Great Marlborough Street
    Wie der Name schon vermuten lässt, ein Buchladen mit überwiegend christlicher Literatur.
  • Frontline Co-operative, 78, Queen Mary Street
    Ein großer Buchladen mit vielen Bezügen zur Karibik; hält Musik-CD einheimischer Musiker vor.
  • Paperbacks Lt., 8, King George V Street
    Dieser Buchladen hat sein Hauptaugenmerk zwar auf Schulbücher gelegt, doch findet man dennoch zahlreiche interessante dominicanische und karibische Literatur.

Souvenirs

Souvenirs im allgemeinen gibt es natürlich am Old Market an den ehemaligen Obst- und Gemüseständen hinter dem Tourist Office in großer Auswahl und ansonsten vor allem bei:

  • Caribiana Handicrafts, 31 Cork Street
  • The Crazy Banana, 17 Castle Street
  • EGO Boutique, Hillsborough Street
  • Grand Bazaar, Dorset House, Old Street
  • Jus a Touch, Orchad Dungeon
  • Land Duty Free Leather, 19 Castle Street